Trägheit | Hindernisse in der Meditation

Trägheit. Ein Gefäß, ein Wasserglas, bedeckt mit Algen und Moos. Das steht für die Trägheit als Hindernis in der Meditation.
Trägheit | Hindernis in der Meditation

Trägheit ist ein weiteres Hindernis in der Meditation. Hast du dich jemals während der Meditation schwer und träge gefühlt, fast so, als ob ein unsichtbarer Nebel deine Gedanken umhüllt und deine Energie dämpft? Wie gehst du mit solchen Momenten um?
Das ist in Zustand, der oft als Trägheit, Mattigkeit, Müdigkeit oder Schläfrigkeit beschrieben wird, und kann eine ernsthafte Barriere auf dem Weg zur inneren Klarheit und Präsenz in der Meditation darstellen.

Die Natur der Trägheit

Trägheit in der Meditation äußert sich als ein Gefühl der Schwere und Energiearmut. Es ist, als würde ein dichter Nebel unsere geistige Klarheit verdunkeln und uns in einen Zustand der Lethargie versetzen. Dieses Hindernis kann besonders frustrierend sein, weil es sowohl den Körper als auch den Geist betrifft und uns davon abhält, den vollen Nutzen aus unserer Meditationspraxis zu ziehen.

„Wenn die Trägheit kommt, lass sie kommen. Deine Aufgabe ist es, wach zu bleiben, wach zu sein. Trägheit kommt und dann geht sie wieder. Und du bist immer noch da, einfach nur wachsam beobachtend.“
Ajahn Chah

Deshalb ist es wichtig, eine einsetzende Trägheit möglichst in einem frühen Stadium zu erkennen. Das ist sehr individuell. Wie fühlt sich das konkret an? Wie fühlt sich das an, wenn ich schläfrig bin? Woran erkenne ich das zuerst? Was sind die ersten Indizien? Das sandige Gefühl unter meinen Augenlidern? Oder eben diese bleierne Schwere? Oder irgendwo eine Art Druck unter meinen Schlüsselbeinen? Vielleicht eine Veränderung der Haltung?

Was immer es ist, lernt diese Marker, diese körperlichen Anker erkennen. Damit wir wissen, wie das sich anfühlt, bevor es stattfindet. Dann je früher das uns gelingt es zu erkennen, umso mehr können wir tun.

Trägheit im Spiegel der Meditation

Die bildliche Darstellung der Trägheit in der Meditation wird oft durch das Bild von einem Gefäß, das mit Moos und Algen überwachsen ist, symbolisiert. Stellen wir uns vor, jemand sucht Klarheit in seinem Spiegelbild, das in einem solchen Gewässer reflektiert wird. Die Wasseroberfläche ist jedoch so von Algen bedeckt, dass keine klare Reflexion möglich ist. Dies verdeutlicht, wie Trägheit die mentale Klarheit trübt und es uns erschwert, Einsicht in unser wahres Selbst zu gewinnen.

Ursachen der Trägheit

Trägheit kann verschiedene Ursachen haben. Eine davon ist die physische Erschöpfung – wenn wir körperlich sehr müde sind, fällt es unserem Geist schwer, wach und aufmerksam zu bleiben. Wenn man sich dann zur Meditation hinsetzt, der Körper ruht, die Atmung ruhiger wird, dann ist es eine normale Körperreaktion, mit Schlaf dieser Erschöpfung entgegenzuwirken.

Doch Trägheit ist nicht immer nur ein Zeichen von Schlafmangel. Sie kann auch psychologische Wurzeln haben. Manchmal ist sie eine unbewusste Abwehr gegen emotionale oder gedankliche Inhalte, die in der Stille der Meditation an die Oberfläche kommen könnten.

Ein weiterer Aspekt, der in den Meditationstexten oft hervorgehoben wird, ist der innere Widerstand. Das ist eine kaschierte Form von Abneigung. Hinter viel Schläfrigkeit und Mattigkeit kann ein Unwillen liegen, mit einer bestimmten Erfahrung zu sein.

Wenn man dann dem Geist alle Unterhaltungen wegnimmt, ruhig wird, nichts tut, dann rollt er sich ein und geht in den Widerstand. So etwa: Ok, er hat mich hier in den Meditationsraum gebracht. Er hat mich auf die Matte gebracht morgens um 6 Uhr. Aber ich werde nicht wach sein. Bei der erst besten Gelegenheit weiche ich aus, rolle mich ein.

Gerade bei willensorientierten Menschen taucht es oft auf, dass sich der Geist wehrt. Und wenn wir über die Widerstände dieses Geistes hinwegknüppeln, dann können wir es mit dieser Reaktion zu tun haben. Etwas macht dicht, der Laden geht runter, etwas wird taub, wird trüb. Dieser Widerstand manifestiert sich als ein Zurückziehen aus der gegenwärtigen Erfahrung. Anstatt sich den unmittelbaren Empfindungen oder Emotionen zu stellen, zieht sich der Geist zurück und flüchtet in den Zustand der Mattigkeit oder Schläfrigkeit.

Das Ergründen der Motive für Schläfrigkeit erfordert Genauigkeit. Man kann auch Läuse und Flöhe haben, d.h. manchmal gibt es mehr als einen Grund, warum sich Schläfrigkeit einstellt.

Der Umgang mit Trägheit

Je früher man einsetzende Schläfrigkeit oder Trägheit wahrnimmt und erkennt, umso mehr kann man entgegenwirken. Der erste Sinn, der einschläft, ist unser Gleichgewichtssinn. Deshalb beginnen wir zu wanken, wenn wir wirklich müde werden. Der Oberkörper kommt aus der Balance. Die Sinnestätigkeiten schlafen nicht alle zum gleichen Zeitpunkt ein. Der letzte Sinn, der geht, ist der Gehörsinn. Egal wie tief ihr in die Schläfrigkeit einsackt, die meisten Leute hören die Glocke am Schluss einer Meditationssitzung.

Um Trägheit effektiv zu begegnen, ist es wichtig, den Körper aktiv zu halten und die geistige Wachsamkeit zu fördern. Hier sind einige praktische Tipps, die helfen können:

  1. Körperliche Wachsamkeit steigern: Kleine Bewegungen wie ein kleines Anheben der Hände oder Haltungswechsel wie etwas mehr Aufrichtung der Wirbelsäule oder ein Achten auf oder ein Verändern der Ausrichtung der Wirbelsäule während der Meditation können helfen, die physische Wachheit zu erhöhen. Auch das Öffnen der Augen können die Wachsamkeit fördern bzw. der Schläfrigkeit entgegenwirken.
  2. Akzentuierteres Einatmen: Generell ist die Konzentration auf den Atem eine effektive Methode, um den Geist zu sammeln und die Präsenz zu stärken. Eine bewusste, tiefe Atmung kann die mentale und physische Energie erhöhen und somit der Trägheit entgegenwirken. Bei vielen Übungen liegt der Fokus auf dem Ausatmen. Um Schläfrigkeit entgegenzuwirken, kann eine Akzentuierung des Einatmens hilfreich sein.
  3. Energetisierende Meditationstechniken: Manche Meditationsformen, wie Gehmeditation (Kinhin) oder kleine Körperübungen in den Meditationspausen, sind besonders nützlich, um Schläfrigkeit zu vertreiben und den Geist zu beleben.
  4. Erkennen und Akzeptieren: Manchmal ist es einfach notwendig anzuerkennen, dass man müde ist. Diese Akzeptanz kann paradoxerweise eine Entspannung bewirken, die es dem Geist erlaubt, wieder klarer und wacher zu werden.

Fazit

Trägheit mag ein hartnäckiges Hindernis in der Meditation sein, aber sie bietet auch eine Gelegenheit zur Selbstbeobachtung und zum Wachstum. Indem wir lernen, die Zeichen der Trägheit zu erkennen und entsprechend zu reagieren, können wir unsere Meditationspraxis vertiefen und letztendlich zu einer größeren geistigen Klarheit und Energie finden.

Im nächsten Beitrag unserer Serie werden wir uns mit dem Hindernis der Unruhe auseinandersetzen und erforschen, wie wir auch dieses effektiv meistern können. Bleib dran, um zu lernen, wie du auch in Momenten der inneren Unruhe Ruhe finden kannst.

Weitere Beiträge in dieser Reihe:

Hindernisse in der Meditation | Übersicht

Begehren | Hindernisse in der Meditation

Abneigung | Hindernisse in der Meditation

Trägheit | Hindernisse in der Meditation

Unruhe | Hindernisse in der Meditation

Zweifel | Hinderniss in der Meditation (steht noch aus)

 

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