Begehren | Hindernisse in der Meditation

Sinnbild für Begehren als Hinderniss in der Meditation. Ein Wassergefäß, ein Wasserglas, welches mit Wasser gefüllt ist und Einfärbungen, Farbschlieren enthält.
Begehren | Hindernisse in der Meditation

Begehren ist eines der 5 klassischen Hindernisse in der Meditation. Hast Du Dich jemals gefragt, warum trotz tiefster Meditation bestimmte Wünsche und Sehnsüchte hartnäckig an Deiner Aufmerksamkeit zerren? – Daneben begegnen uns Ablehnung, Trägheit, Unruhe und Zweifel. Diese Herausforderungen, die unsere innere Ruhe und die inneren Prozesse in der Meditation begleiten, stellen sich in den Weg. Als Hindernis sind sie eine Herausforderung. Sie sind ebenfalls eine Aufgabe und nicht zuletzt können sie sogar ein Objekt der Meditation sein an dem wir wachsen können.

Das erste Hindernis, das wir nach dem allgemeinen und einleitenden Beitrag (Hindernisse in der Meditation | Übersicht) beleuchten, ist das Begehren. Begehren ist tief in uns verwurzelt. Es ist sowohl eine Alltagsentscheidungen als auch ein Einfluss – ein Hindernis – auf unsere meditative Praxis..

Die Natur des Begehrens

Begehren ist das Verlangen nach etwas, das wir nicht haben, oder der Wunsch, etwas zu behalten, das wir bereits besitzen. Es ist ein kraftvolles Gefühl, das sich in vielen Formen manifestieren kann – von der Sehnsucht nach materiellen Gütern bis hin zu subtileren Formen wie dem Wunsch nach Anerkennung oder emotionaler Zufriedenheit. In der Meditation offenbart sich Begehren oft durch das Verlangen nach angenehmen Erfahrungen oder Zuständen, das uns von der gegenwärtigen Wirklichkeit ablenkt.

Begehren im Spiegel der Meditation

In klassischen Texten wurde für die Hindernisse die Analogie der Wassergefäße entwickelt. Jemand auf der Suche nach sich selbst versucht sich in seinem Spiegelbild zu erkennen. Dabei trifft er auf verschiedene Wassergefäße, die alle spezielle Eigenschaften haben.

In einem der Gläser machen die blubbernden Blasen des kochenden Wassers darin ein Erkennen des Spiegelbildes unmöglich. Dieses Gefäß steht für Ablehnung.

Ein anderes Gefäß ist so mit Moos und Algen bedeckt, dass kein Spiegelbild entstehen kann. Es steht für Trägheit oder Stumpfheit.

Der Wind peitscht die Wasseroberfläche im nächsten Glas so auf, dass auch hier das Spiegeln und Erkennen des eigenen Selbst kaum möglich ist. Es steht in der Analogie für Unruhe.

Zweifel wird durch das Gefäß symbolisiert, welches trüb und voller Schlamm ein sich Erkennen stark beeinträchtigt.

Und eines dieser Gefäße ist nicht klar, sondern eingefärbt. Es steht für das Begehren.

Die Analogie des gefärbten Wassers illustriert eindrucksvoll wie Begehren unsere Wahrnehmung trüben kann. Ein Mensch, der sein Spiegelbild in einem Gefäß mit gefärbtem Wasser betrachtet, sieht nicht sein wahres Gesicht, sondern eine verzerrte, durch die Farbe des Begehrens gefärbte Version. Diese Verfälschung symbolisiert, wie unser Begehren die Realität einfärbt und es uns schwer macht, die Dinge so zu sehen, wie sie wirklich sind.

Die Wirkung von Begehren

Die Intensität des Begehrens wird oft unterschätzt. Es kann uns dazu bringen, Dinge zu wollen, die nicht in unserem besten Interesse liegen oder die unerreichbar sind. Begehren kann auch zu Frustration und Enttäuschung führen, wenn die ersehnten Dinge nicht erreicht werden. In der Meditation führt dies oft dazu, dass wir nicht im Moment verweilen können, aus der Präsenz herausfallen und stattdessen von Gedanken über das, was sein könnte oder hätte sein sollen, abgelenkt werden.

Dabei gilt es nicht zu vergessen, dass Begehren auch Teil des „Motors“ ist, der uns zur Meditation veranlasst. Es ist Teil der Intention, die wir mit Meditation verbinden. Vielleicht um Ruhe zu erreichen, aus dem täglichen Hamsterrad auszusteigen. Oder auch der Wunsch – das Begehren – einen tiefen Zustand in der Meditation zu erreichen, vielleicht sogar Erkenntnis. Das treibt uns einerseits an und ist andererseits eben auch etwas, was sich uns in den Weg stellt. Es ist also keineswegs einfach, trivial.

Die Latte „Begehren“ loszuwerden hängt recht hoch. Und jedes Begehren hat auch eine Kehrseite mit dabei. Unbefriedigtes Begehren kann Frustration der Ärger auslösen. Da, wo das Begehren sich nicht erfüllen lässt, da ist oft Zorn, ist Empörung, ist Entrüstung. Wenn sich das abkühlt und verfestigt kann es sogar zu Hass führen. Man kann nicht Begehren kultivieren, ohne dass man unweigerlich auch Ärger und Zorn und Abneigung kultiviert.

Das breite Spektrum des Begehrens

In der buddhistischen Psychologie wird Begehren als ein breites Spektrum verstanden, das von groben, leicht erkennbaren Formen wie Gier bis hin zu feineren Formen wie dem Verlangen nach bestimmten mentalen Zuständen reicht. Jede Form von Begehren trägt die implizite Botschaft in sich, dass der gegenwärtige Zustand nicht ausreichend ist, dass etwas fehlt. Diese Unzufriedenheit kann ein ständiger Begleiter sein, der uns daran hindert, Zufriedenheit und Frieden in unserem aktuellen Erleben zu finden.

Dabei ist nicht jedes Begehren etwas Unmoralisches. Das Streben nach besonderen Zuständen in der Meditation, ein Wunsch nach Erkenntnis oder auch so etwas vermeintlich Profanes wie Stille, Ruhe, angenehme körperliche Zustände, das alles ist nicht verwerflich.

Es verhindert aber die Sammlung des Geistes. Wir hängen dann an „Dingen“, hängen Erinnerungen nach, die angenehme Erfahrung verschaffen. Träumen hüllen uns ein, Fantasien entstehen, in denen wir schwelgen. – Das alles ist für sich genommen nicht verwerflich. Wenn etwas schöne Erinnerungen in uns hervorruft und wir diese wiederhaben möchten, weil es sich angenehm anfühlt und wir uns daran freuen, weshalb sollten wir das nicht zulassen?

Nun, der Preis dafür, wenn wir das in der Meditation zulassen, ist ein Geist, der sich nicht sammelt, nicht sammeln kann. Er ist zerfasert, zerstreut und mit all diesen Begehren beschäftigt. Das ist der Meditation sehr abträglich und im besten Fall vergeuden wir einfach Energie und Zeit.

Umgang mit Begehren in der Meditation

Die Überwindung von Begehren in der Meditation erfordert Achtsamkeit und Übung. Es ist wichtig, es zu erkennen, wenn es auftritt. Eine gute Idee ist es, sehr wachsam für das Auftreten von Begehren zu sein. Ganz gleich wie es uns entgegentritt. Ganz subtil, vielleicht nur ein leichter Schleier von Einfärbung, um in der Analogie zu bleiben. Oder eben auch sehr direkt als konkrete Vorstellung, was denn jetzt da sein sollte und großes Verlangen oder Sehnsucht auslöst, also eine intensive Farbe im Wasser.

Und es möglichst gleich bei der Entstehung zu erkennen. Nach dem Erkennen dann das Begehren bewusst erst einmal annehmen. Also Akzeptieren, dass es auftritt, ohne es zu bewerten, denn das führt zu weiteren Einfärbungen und Verstrickungen. Dann bewusst loszulassen, anstatt es zu unterdrücken oder ihm nachzugeben. Eben wach dafür zu sein und ihnen möglichst gleichmütig und gelassen begegnen. Ihnen gestatten, auch wieder zu verschwinden. Hilfreich dabei könnte sein:

  • Beobachtung: Nimm das Aufkommen von Begehren wahr, ohne es zu bewerten oder darauf zu reagieren. Dies hilft, den automatischen Zyklus von Verlangen und Reaktion zu durchbrechen, bzw. nicht beginnen zu lassen.
  • (Neu-)Ausrichtung der Aufmerksamkeit: Führe deine Aufmerksamkeit sanft zurück zu deinem Meditationsobjekt, deiner Übung.
  • Freundlichkeit mit dir selbst: Begehren wird dir in vielen Formen immer wieder begegnen. Das ist kein Grund, dich deswegen zu verurteilen. Das alleine würde schon weitere Hindernisse auslösen, z.B. Ablehnung. Sei also freundlich zu dir selbst, wenn dir Begehren begegnen. So kannst du sie auch leichter wieder gehen lassen.

Fazit

Begehren ist ein mächtiges Hindernis auf dem Weg der spirituellen Entwicklung, aber es bietet auch wertvolle Einblicke in unsere tiefsten Bedürfnisse und Wünsche. Indem wir lernen, mit Begehren in unserer Praxis umzugehen, können wir Wege finden, unsere Reaktionen zu verstehen und zu modifizieren, was letztendlich zu größerer innerer Freiheit und Frieden führt.

Im nächsten Beitrag werden wir das Hindernis der Abneigung näher betrachten und erforschen, wie es sich von Begehren unterscheidet und wie wir es in der Meditation adressieren können. Das macht dich neugierig? – Dann hat das nächste Begehren bereits wieder eingesetzt …

Weitere Beiträge in dieser Reihe:

Hindernisse in der Meditation | Übersicht

Begehren | Hindernisse in der Meditation

Abneigung | Hindernisse in der Meditation

Trägheit | Hindernisse in der Meditation

Unruhe | Hindernisse in der Meditation

Zweifel | Hinderniss in der Meditation (steht noch aus)

 

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