Die Teezeremonie im Zen

Teezeremonie im Zen
Die Teezeremonie im Zen

Die Teezeremonie im Zen hat eine lange Tradition und in ihr spiegeln sich viele Elemente und Haltungen des Zen wider. Gleichzeitig ist die Teezeremonie eine Praxis des Zen, also eine Handlung in der Zen zutiefst zum Ausdruck gebracht wird. Es ist eine Form, Zen ins alltägliche Leben zu bringen.

Wie kommt Zen ins Leben?

Die Basis des Zen ist die Meditation, das Sitzen in Meditation auf der Matte, Zazen (Zazen: „za“ bedeutet sitzen und „Zen“ in seiner ursprünglichen Bedeutung Meditation). Wer damit „nur“ einen täglichen Raum des für sich selbst Seins und eine Auszeit von den Anforderungen des Alltags sieht und beabsichtigt, der kann das tun. Es ist sehr wahrscheinlich förderlich für ihn. Mit Zen hat das noch nicht sehr viel zu tun.

Es ist aber ein Anfang. Die Matte ist wie ein Forschungsraum, in dem – je mehr man seinen Körper und seinen Geist zur Ruhe kommen lässt – aus dieser Ruhe vieles entstehen kann. Klarheit, Konzentration, Orientierung, Bewusstheit über sich, Gelassenheit. Und ja, vielleicht auch Entspannung, die so viele so krampfhaft suchen.

Das entsteht nach und nach, je mehr man aus diesem Forschungsraum eine tägliche Übung macht. Und es werden nach und nach Fragestellungen auftauchen: Wer bin ich? Wie bin ich in dieser Welt? Und wie mit dieser Welt? …

Bleibt dieses Bewusstwerden oder ein Bewusstsein dann auf diese Übung, auf die Zeit auf der Matte beschränkt, dann hat sich schon ein Weg eröffnet. Es gilt dann, diese Haltung auch über die Matte hinaus ins Leben zu bringen, quasi aus dem Forschungsraum, dem Labor in die Alltagswirklichkeit.

Konkret heißt dies, Klarheit, Konzentration, Orientierung, Bewusstheit, Gelassenheit in Handeln, in das Tun einfließen zu lassen. Dieses Tun können einfache, wiederholbare Tätigkeiten sein. Das Zen spricht dann vom Do („Do“ bedeutet Weg).

Und Zen kennt viele verschiedene Dos, die sich entwickelt haben: Der Schwertkampf (Ken-Do), die Kunst des Bogenschießens (Kyo-Do), Ju-Do, Aiki-Do. Oder in der Kunst: Das Arrangieren von Blumen (Ikebana), Kalligraphie (Sha-Do), klassische Gedichte in der Form des Haiku oder eben auch die klassische Teezeremonie, der Teeweg (Cha-Do).

Alle diese Dos nehmen die (innere) Haltung aus der Meditation auf und transportieren sie in Tun. Das wiederum ist dann eine Brücke, um die Haltung des Zen in möglichst jegliches Tun im Alltag, im Leben einfließen zu lassen. Eine ständige Übung. So kommt Zen immer mehr ins Leben. Es transformiert.

Die Teezeremonie, der Teeweg

Der Tee kam mit den ersten Zen-Mönchen, mit Meister Eisai, aus China nach Japan und die Pflanzen gediehen dort sehr gut. Der grüne Tee diente anfangs den Mönchen bei der Meditation gegen Müdigkeit und für eine bessere Konzentration. Er galt aber alsbald auch als vorzügliche Medizin.

Sein Gebrauch war zunächst auf das klösterliche Leben beschränkt, erlangte dann mit der Verbreitung des Zen auch im Adel, im Kriegerstand (Samurai) und schließlich in der breiten Bevölkerung immer mehr Bedeutung. Das Bewirten mit Tee fand Eingang in die Kultur und ins Alltagsleben.

Aus dieser Kultur entwickelte sich dann eine feste Form, verbunden mit einem tieferen Gehalt und in Bezug zu Zen. Aus der Teezeremonie entstand der Teeweg (chado), der die Vorbereitungen, das Begrüßen der Gäste, die Zubereitung und Darreichung des Tees, dann das Trinken des Tees selbst und das Verbschieden der Gäste umfasst. Große Teemeister prägten diesen Weg und noch heute dauert die Ausbildung mehrere Jahre.

Geprägt ist der Teeweg – und die Teezeremonie – von Einfachheit, Schlichtheit, Klarheit, Leerheit und vor allem vom im Augenblick sein.

„Erst wenn der Mensch jedweder Bindung an die Dinge und seiner Beziehungen zu dieser irdischen Welt ledig ist, wird sein Herz frei sein. Dieses Ziel verfolgt auch der Tee-Weg (chadô), und in seinem Mittelpunkt steht der Mensch selbst.
Tee-Meister und Gäste sind bemüht, sich selbst zur Vollendung zu bringen, so wie ein Maler sein Bild, ein Dichter sein Gedicht zur Vollendung bringt.“ (Robert Hammitzsch)

Die Vollendung wird dabei aber niemals erreicht. Der Teeweg ist mehr als nur die bestimmte Form des Teetrinkens. Es verkörpert eine ganz eigene Geisteshaltung. Wer über die Teezeremonie spricht, spricht über Zen!

Worum geht es im Zen?

  • Um die Suche nach dem Wesentlichen
  • Um die Suche nach mir selbst
  • Um das Nach-Hause-Kommen – um das JETZT
  • Um Leere und somit vollständige innere Freiheit

Wir werden abgelenkt vom täglichen Wahnsinn. Erst, wenn es gelingt, in die Stille zu kommen, in die Abwesenheit von 1.000 Gedanken, können wir das Wesentliche erkennen. Wir benötigen also Klarheit und Leere.

Harmonie, Respekt, Klarheit und Stille

Während des Trinkens sind alle gleich, kein Status, keine ablenkende Schönheit. Der Augenblick und das Tun sind geprägt von Harmonie, Respekt, Klarheit und Stille, die vier Prinzipien, die jede Teezusammenkunft bestimmen sollten. Die Leere und Stille gibt jedem den Raum, seine eigenen Empfindungen und Einsichten fließen zu lassen.

Die Teezeremonie in Verbindung mit Zazen

Eine Teezeremonie ist ein eigener Weg, eine eigene Übung, die sich auch über eine ausgedehntere Zeit strecken kann. Sie kann allerdings auch in ein Sesshin oder einer Zeit des gemeinsamen Sitzens in einer deutlich verkürzten Form integriert sein und findet dann gewöhnlich zu Beginn des Tages am frühen Morgen statt.

Die Zeremonie erinnert uns gleich zu Beginn des Tages an das Wesen des Zen. Der Tee selbst unterstützt unseren Geist dabei, klar und wach zu sein. Das Erleben des Teetrinkens in der Gruppe erzeugt Energie und Kraft. Der harmonische, formalisierte, synchronisierte Ablauf steht für die Harmonie der Dinge und des Ganzen.

Teezeremonie zwei Tassen Tee

Zen im Kleinen

Dabei ist die Teezeremonie voller Symbolik und bildet Zen im Kleinen ab. In der Zeremonie üben die Teilnehmer Achtsamkeit, Respekt, Stille, Herz, Verbundenheit. Der Tee steht für das Wesentliche. Die Teeschalen für die Form. Während der Zeremonie hat jeder eine leere Schale vor sich stehen und erhält Tee – das Wesentliche – vom Teegeber, der die leere Form füllt. Das Wesentliche füllt die leere Form.

Danach trinken alle gemeinsam den Tee in vier kleinen Schlucken, während sie bei jedem Schluck nacheinander an vier Qualitäten dieser Teezeremonie erinnert werden: Klarheit, Respekt, Harmonie, Stille.

Nach dem Trinken ist die Tasse wieder Form und Leere zugleich. Doch das Wesentliche ist nicht weg, es hat sich mit allem in uns verbunden. Zen bedeutet: Alles ist mit allem verbunden.

Der Tee steht auch für die Schönheit und die Einmaligkeit, die Vergänglichkeit des Augenblicks.

Der Weg ist die Übung, einfach Sein, kein Anhaften an Äußerlichkeiten oder Diskussion der Form – sondern nur Versenkung und Hingabe.

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