Offenes Gewahrsein

Gewahrsein
Gewahrsein

Offenes Gewahrsein ist die Fähigkeit, den eigenen Geist zu beobachten. Durch das Training, die Meditation, machen wir uns damit vertraut, wie der Geist arbeitet. Und erkennen, dass genau darin die Ursachen für die Probleme liegen, denen wir im Leben begegnen.

Offenes Gewahrsein hilft dir, kein Opfer der Umstände zu sein, das auf eintretende Situationen nur instinkthaft, reflexartig und automatisiert reagieren kann, quasi im Autopilot-Modus. Im offenen Gewahrsein versuchen wir unter anderem, eine neue Beziehung zu unseren Gedanken, zu dem, was uns in Situationen begegnet und zu der Welt um uns herum aufzubauen.

Es erzeugt eine Geistesklarheit, die es dir ermöglicht einen Moment der Pause oder einen Raum zwischen dem, das dir begegnet und deiner Reaktion darauf, entstehen zu lassen und für dich zu nutzen. Das verschafft dir einen Vorsprung, vielleicht nur von einem Bruchteil einer Sekunde, einem Augenblick oder auch einer längeren Zeitspanne. Darin eröffnet sich dann die Möglichkeit, deine Reaktion bewusst zu wählen, anstatt unbewusst (im Autopilot) eingeübte Reaktionsmuster abzuspulen oder im Reflex zu reagieren.

Das bringt zum einen eine andere Qualität von Reaktion – eigentlich dann eher bewusste Aktion anstatt Reaktion – hervor. Und andererseits eine große Freiheit. Eine Freiheit aus den sich in diesem kurzen Moment des Innehaltens, des Gewahrseins des Augenblicks, entstehenden Handlungsoptionen aktiv auszuwählen. Es ist eine andere Qualität des Tuns … oder Nicht-Tuns.

Das Üben von offenem Gewahrseins versetzt dich in die Lage, dich gegenüber mentalen Geschehnissen neu zu verhalten. Und bringt so eine vollkommen neue Art von Richtung und Klarheit in dein Leben.

Gewahrsein ergibt sich aus der Ausrichtung der Meditation

Es sind nicht die Umstände selbst sind, die uns Probleme bereiten, sondern eher die Art und Weise, wie wir uns zu ihnen in Beziehung setzen. Wie auch immer, es ist nicht leicht, das zu verwirklichen. Und schon gar nicht geschieht es über Nacht. Es wäre großartig, wenn wir über unseren Reaktionen stehen könnten, die wir auf die Herausforderungen in unserem Leben zeigen.

Unglücklicherweise geht es nicht so leicht und bequem. Wir können uns nicht einfach per Knopfdruck umprogrammieren, uns vornehmen, anders zu denken und zu handeln. Es gibt diesen Knopf oder Schalter nicht, den wir drücken können und der auf magische Weise dazu führt, dass wir unsere bestehenden Verhaltensmuster ignorieren und auf einmal über Enttäuschungen hinwegsehen oder Wut, Schmerz einfach loslassen können. Und daher ist das Training für offenes Gewahrsein so wertvoll.

Es verschafft Gelegenheiten, direkt zu erleben und zu einem tiefen Verständnis dafür zu gelangen, dass die Wurzeln unserer Probleme in unserem unbewussten Verhalten und auch in den Gedanken, die wir uns sehr schnell über Geschehnisse und Situationen machen, liegen.

Aufmerksamkeit und Konzentration als Ausgangspunkt

In der Meditation beginnen wir mit dem Halten der Aufmerksamkeit. Wir lenken die Aufmerksamkeit zum Beispiel auf unseren Atem und halten sie dort. Wenn die Aufmerksamkeit dann von Gedanken, Gefühlen oder äußeren Ablenkungen weggezogen wird, dann ist es ein wichtiger Punkt, dies zu bemerken. Gelingt uns dies, dann sind wir in diesem Moment in einer achtsamen, sehr bewussten Haltung. Und dann können wir die Aufmerksamkeit wieder auf den Atem zurückführen. Es entsteht Konzentration, vielleicht auch Präsenz als Ausprägung der Aufmerksamkeit.

Das kann bereits ein innerer Status sein, in den wir gelangen wollen. Wir können darüber hinaus noch weiter gehen.

Gewahrsein als weitere Qualität

Offenes Gewahrsein verleiht der Konzentration Richtung und Ziel. Gebündelte Aufmerksamkeit zusammen mit offenem Gewahrsein verhilft dir dazu im Alltag deine Zeit, Energie und Aufmerksamkeit achtsam einzusetzen und letztlich deren Wirksamkeit in deinem Leben zu erhöhen. Zusammen können dir beide den beschriebenen Raum zwischen Reiz und Reaktion verschaffen, die möglicherweise darüber entscheidet, ob du einfach nur so klarkommst und dahin treibst oder ob du tatsächlich vorankommst und bewusst lebst. Im Gewahrsein lassen sich die eigentlich wichtigen, entscheidenden Fragen erkennen.

Das Fernrohr nach innen richten

Offenes Gewahrsein wird die Anzahl der Ablenkungen in deinem Leben nicht reduzieren. Im Gegenteil geht es darum, die Ablenkungen genau als das zu sehen, was sie sind – Ablenkungen. Und sich dann zu entscheiden, welche Ablenkung deine Aufmerksamkeit tatsächlich verdient. Die Essenz des Trainings von offenem Gewahrsein ist das Beobachten der eigenen Gedanken, Gefühle, Empfindungen und Anforderungen auf neutrale Art und Weise – wie in einer mentalen Beobachtungsstation.

Dabei sind Konzentration und Wahrnehmung eng miteinander verbunden. Mit Aufmerksamkeit und Konzentration schärfst du deinen Geist, quasi wie ein mentales Zielfernrohr. Du lernst Beobachtungsobjekte oder Erfahrungen, die du selbst aktiv auswählst, zum Beispiel deinen Atem, ganz genau anzuschauen.

Während du dann deine Meditation um offenes Gewahrsein erweiterst, richtest du dieses Zielfernrohr auf die inneren Prozesse deines Geistes. Du und beobachtest, was geschieht, um Einsicht in oder über deine eigene Erfahrungswelt zu gewinnen. Offenes Gewahrsein zu trainieren, kann zu zweierlei führen – zu mehr mentaler Freiheit und zu Verständnis für sich selbst.

Das Erleben der Welt verändert sich

Wie viele Momente verschwendest du Kraft und Zeit, indem du dich mit Dingen beschäftigst, die du nicht ändern kannst? Für die meisten von uns lautet die Antwort: zu viele.

Wir müssen uns nicht mit jeden Gedanken, der uns in den Sinn kommt, beschäftigen. Es ist unglaublich nützlich, innerlich zurückzutreten und zwischen sich und den Gedanken Distanz zu gewinnen. Und dann auszuwählen, was jetzt wichtig ist und bewusst zu agieren.

Für eine Sekunde zurückzutreten, bevor man reagiert, kann einem viele, viele Minuten oder Stunden unnötiger Sorgen und unproduktiver Arbeit ersparen. Es macht den Unterschied zwischen Ärger, Wut, Schmerz oder Angst zu erkennen und in Ärger, Wut, Schmerz oder Angst aufzugehen, zu ertrinken oder gar selbst Ärger, Wut, Schmerz oder Angst zu sein.

Natürlich ist es nicht gerade leicht, sein Denken und seine Sicht auf die Welt zu ändern. Gelingt es, dient es dazu, einen ruhigen, klaren, konzentrierten Geist zu entwickeln. Mit einer großen Gelassenheit durch die Welt zu gehen.

Allem offen und gewahr gegenübertreten kann die Art und Weise verändern, wie du die Welt erlebst und wie du auf die Dinge im Leben reagierst. In der Lage zu sein, Gedanken und Erfahrungen zu beobachten, anstatt selbst diese Gedanken und Erfahrungen zu sein, mündet nicht nur in mehr Klarheit und mentalem Frieden, sondern schont auch deine Energie, bringt Gelassenheit und führt dich nicht in mentale Erschöpfung.

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