Gedanken

Gedanken - mindfull oder mind full

Gedanken

Gedanken

„Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann“ hat der französische Schriftsteller Francis Picabia gesagt. Doch was macht es für einen Unterschied, ob die Gedanken sich im oder gegen den Uhrzeigersinn drehen, wenn sie sich ständig wiederholen?

Wir halten den Kopf für unseren wichtigsten Körperteil und sind so verliebt in unsere Fähigkeit zu denken, dass uns gar nicht auffällt, dass der Inhalt unserer Gedanken nicht immer genial ist. Unaufhörlich produzieren wir Gedanken, denken immer wieder dieselben Gedanken. Sie haben das Verfalldatum längst überschritten und verbreiten einen leicht modrigen Geruch.

Manchmal, wenn wir für einen Moment still werden, findet sich eine glänzende, kostbare Perle. Plötzlich ist da ein klarer, kraftvoller Gedanke, der einschlägt wie ein Blitz und gleich wieder verschwindet.

Wer sind wir, wenn wir nicht alles glauben, was wir denken?

Zen fordert uns auf, kopflos zu werden und herauszufinden, wer wir sind, wenn wir nicht alles glauben, was wir denken. Es geht weder darum, den Verstand zu verlieren, noch ihn zu verteufeln. Er ist ein wunderbares Instrument, analysiert, rechnet, bewertet, schlussfolgert, erfindet, verknüpft, stellt infrage, prüft, warnt und hilft uns, im Alltag zurechtzukommen.

Leider ist er schwer zu bändigen, macht sich gern selbstständig und strebt nach der Alleinherrschaft. Er macht nie Feierabend, ist hyperaktiv, quatscht immer dazwischen und fordert permanent Aufmerksamkeit.

Special Guest im eigenen Kopftheater

Wir brauchen den Intellekt, um zu überleben, aber wenn wir in Harmonie mit uns selbst und anderen leben wollen, müssen wir ihn in seine Schranken weisen, indem wir ihn nicht sonderlich beachten. Der erste Schritt ist, uns selbst beim Denken zuzuschauen. Wir sitzen als special guest in unserem eigenen Kopftheater, und statt uns zu applaudieren, sind wir einfach nur dabei, wie wir unser eigenes Drama inszenieren.

Als unbeteiligte Zuschauer nehmen wir wahr, wie eine Gedankenfigur nach der anderen die Bühne betritt und wieder verlässt, manche mit lautem Tamtam, andere zögernd und leise. Wir spüren den Drang, den Gedankenfiguren hinterherzulaufen, sie zurückzuholen auf die Bühne, manche nach vorn zu stellen und andere nach hinten. Doch wir widerstehen sämtlichen Impulsen, uns einzumischen, und bleiben reglos im Zuschauerraum sitzen.

Offene Weite

Nach einer Weile beruhigt sich das Chaos auf der Bühne. Wir vergessen vollkommen, dass wir Zuschauer in unserem eigenen Stück sind, der Raum ist plötzlich offen und weit, bis der Gedanke auftaucht: »Ist das schön, so könnte es ewig weitergehen.« Und schon ist der Raum, der eben noch unbegrenzt schien, wieder eng und verschlossen.

Es braucht Mut, nicht nur auf den Verstand zu setzen. Gedanken, auch wenn sie uns noch so brillant erscheinen, können uns nicht nähren und unseren Wunsch nach Erkenntnis und Tiefe nicht erfüllen. Um wirklich bei uns selbst anzukommen in unserem Leben, müssen wir die Gedankenmauer durchbrechen, das Dahinter erforschen und in die verborgenen Schatzkammern unseres Seins vorstoßen, indem wir uns in der Stille existenziellen Fragen stellen:

Wer bin ich? Was ist Leben? Was ist Tod? Gibt es etwas Unbedingtes in mir?

Und die Antwort darauf nicht in intellektuellen Konzepten suchen, sondern aus der Tiefe der Erfahrung aufsteigen lassen.

Quelle: Das Leben ist ein Geschenk – Weisheit und Wille als Weg – Hinnerk Polenski

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