Glück – Was macht Menschen glücklich?

Glück - Was macht Menschen glücklich?

Glück – Was macht Menschen glücklich?

Glück, glücklich sein. Danach streben vermutlich alle Menschen. Am 20. März war der Welttag des Glücks und das geht dann immer auch einher mit vielen Pressemeldungen dazu.

Aber was ist Glück? Oft verbinden wir Glück mit einem Zustand, der sich einstellt, wenn etwas anderes erreicht wurde. „Wenn ich im Lotto gewinne, dann werde ich glücklich sein.“ „Wenn ich Karriere gemacht habe, dann stellt sich Glück ein.“ „Im Urlaub werden wir glücklich sein.“

Es gibt Dutzende von Büchern darüber, wie man Glück findet, was der Schlüssel zum Glück ist. Und warum auch nicht? Wer möchte nicht gerne ein paar „Geheimnisse“ lernen, um sein inneres Glück zu erschließen?

Glücklichere Menschen neigen dazu, länger zu leben, gesünder zu leben, mehr Geld zu verdienen und besser zu arbeiten. Es ist allerdings ein Hühner- und Ei-Problem. Bringt uns das Glück solche Dinge, oder führen uns solche Dinge dazu, glücklicher zu sein?

Über manche Zusammenhänge ist sich die Wissenschaft aber einig:

Eigener Einfluss auf unser Glück

Du kannst etwa die Hälfte deines Glücksniveaus selbst beeinflussen. Obwohl das genaue Niveau von Individuum zu Individuum variiert, scheint es, dass etwa bis zu 50 Prozent unseres Glücksniveaus von unseren Genen vorgegeben ist. Das klingt nach viel. Aber es bedeutet auch, dass etwa 40 bis 50 Prozent unseres Glücks nicht genetisch vorbestimmt und in unserer Macht stehen. Dabei haben – so einige Untersuchungen – äußere Umstände auf die wir gerne unser Unglück schieben nur etwa zu 10% Einfluss auf unser Glücklich Sein. Und für etwa 40% sind wir ganz selbst verantwortlich.

Geld kauft kein Glück

Sobald wir ein bestimmtes Einkommensniveau erreicht haben, das ausreicht, um unsere Rechnungen zu bezahlen und uns in dem Lebensstil zu halten, an den wir uns gewöhnt haben, führt mehr Geld nicht zu mehr Glück. Die einzigen zwei Ausnahmen von dieser Regel sind, wenn Du Geld verschenkst oder wenn es Deinen sozialen Rang deutlich verbessert. Menschen, die Geld verschenken, scheinen mit der Zeit glücklicher zu sein als diejenigen, die es nicht tun.

Wie gewonnen, so zerronnen

Lottogewinne schaffen nur vorübergehendes, kurzfristiges Glück. Der Gewinn im Lotto macht die Menschen im Moment glücklich, aber dieses Glück verblasst ziemlich schnell und die Menschen kehren dann zu ihrem früheren Glückslevel zurück. Menschen, die im Lotto gewonnen haben, scheinen nicht glücklicher zu sein als diejenigen, die es auf lange Sicht nicht getan haben.

Beziehungen machen glücklich

Beziehungen sind ein Schlüsselfaktor für langfristiges Glück. Die Forschung zeigt, dass dieser Effekt für Menschen in Beziehungen am stärksten ist. Aber auch starke soziale Verbindungen mit anderen wirken sich auf unser eigenes Glück aus.

Erfahrungen statt Dinge

Konzentriere Dich auf Erfahrungen, nicht auf Dinge. Menschen, die ihre Zeit und ihr Geld darauf verwenden, Zeit gemeinsam zu verbringen, etwas zu erleben – sei es, dass sie einen Urlaub an einem anderen Ort als zu Hause verbringen oder einen ganztägigen Ausflug in den örtlichen Zoo unternehmen – berichten von einem höheren Maß an Glück als diejenigen, die ein größeres Haus, ein teureres Auto oder mehr Zeug kaufen.

Das liegt wahrscheinlich daran, dass unsere Erinnerungen ein emotionales Foto des Erlebnisses enthalten, während die materiellen Dinge nicht so einen großen emotionalen Eindruck in unserem Gehirn hinterlassen. Konsum, Dinge, bringen nur künstliches, temporäres Glück.

Was macht Menschen langfristig glücklich?

Dazu gibt es eine schon sehr lang laufende Untersuchung. Der derzeitige Direktor dieser Studie ist Robert Waldinger. Waldinger ist klinischer Professor für Psychiatrie an der Harvard University und Direktor dieser berühmten Harvard-Studie für Erwachsenenentwicklung. Es ist vielleicht die am längsten laufende Studie über das Erwachsenenleben, die jemals durchgeführt wurde. Seit 75 Jahren verfolgt sie das Leben von 724 Männern, um zu verstehen, was ein gesundes und glückliches Leben ausmacht.

Die Studie ist eines der wichtigsten Längsschnittforschungsprojekte, die jemals durchgeführt wurden. Im Laufe der Jahrzehnte hat die wissenschaftliche Community die Studie zur Erwachsenentwicklung mit Interesse verfolgt. Aber die Öffentlichkeit war sich dessen und seiner Erkenntnisse darüber, was die Menschen wirklich glücklich und gesund macht, weitgehend nicht bewusst. Dann wurde Robert Waldinger mit einem Vortrags-Video (12 Minuten, die sich sehr lohnen) zum Internet-Star. Und die Studie bekam eine große Aufmerksamkeit.

Heute sind etwa sechzig der ursprünglich 724 Männer noch am Leben und nehmen an der Studie teil. Die meisten sind in den Neunzigern, und alle zwei Jahre ruft das Forschungspersonal sie an und fragt, ob sie ihnen noch eine weitere Reihe von Fragen über ihr Leben schicken können.

Nach fünfundsiebzig Jahren, in denen wir das Leben der Menschen studiert haben, ist das Klarste: Auf lange Sicht sind es starke Beziehungen, die uns gesund und glücklich machen.

Beziehungen als Schlüssel zum Glück

Schließlich identifizierte die Harvard-Studie drei Schlüsselpunkte über Beziehungen und deren Nutzen.

  • Einsamkeit ist tödlich
  • Es ist die Qualität Deiner Beziehungen, die zählt
  • Gute Beziehungen sind gut für unser Gehirn

Oft finden wir eine sichere Bindung an einen Ehepartner oder einem Familienmitglied. Aber weder eine Heiratsurkunde noch Blutsbande sind notwendig. Laut Waldinger muss man nur das Gefühl haben, dass es mindestens eine Person im Leben gibt, auf die man sich wirklich verlassen kann, um die Vorteile einer Beziehung für Gesundheit und Wohlbefinden zu erfahren.

Wadlingers Perspektive aus dem Zen

Robert Wadlinger ist nicht nur der aktuelle Direktor dieser Langzeitstudie. Er praktiziert auch Zen und so sieht er die Studienergebnisse auch aus der Perspektive des Zen.

Das ganze Leben der Menschen zu studieren – von der Kindheit bis ins hohe Alter – hat Waldinger ein Gefühl dafür vermittelt, wie begrenzt das Leben ist. Er sagt, wenn man die Gesamtheit eines Lebens von Anfang bis Ende sieht, wenn man sieht, dass es für diese Person jetzt nichts mehr zu werden gibt, entsteht bei diesen Personen ein anderer Blick auf das Leben.

„Was ist wirklich wichtig? Was will ich mit dieser Zeit machen und was nicht? Natürlich können wir uns alle diese Frage jederzeit stellen, aber das Leben auf diese Weise zu studieren, lässt mich die Frage öfter stellen.“

Es gibt nur dieses Leben

„Beim Zen geht es so sehr darum, dass nur genau dies unser Leben ist – genau das, was gerade auf uns zukommt, vor uns liegt„, sagt Waldinger. „Es hat mehr Zufriedenheit in mein Leben gebracht und mir erlaubt von einigen Dingen, über die ich mir so sicher war, etwas zurückzutreten und dann zu erkennen, dass sie überhaupt nicht sicher sind.“

„Vielleicht gibt es Religionen, die dich zu vollkommenem Glück und Glückseligkeit bringen.“ Aber so funktioniert Zen nicht, und für mich auch nicht“, sagt er. Glück in der realen Welt bedeutet nicht jeder Tag, jeder Moment ist glücklich.

Durch Meditation hat Waldinger seinen eigenen Geist und Körper kennengelernt, und dieses Wissen war zunächst eine Quelle von Frustration, weil er – wie er es ausdrückt – beobachtete, wie sein Geist „die gleichen lächerlichen Dinge tut, die er immer getan hat“. Aber jenseits der Frustration hat er mehr Selbstakzeptanz gefunden und damit auch Glück.

Simple Dinge versperren uns die Sicht

Waldinger lacht, wenn er die Geschichte vom Tee während eines Retreats erzählt. Ein kleines Tablett mit Snacks wurde herumgereicht. Und am Ende der Reihe schaute Waldinger auf das letzte kleine Kuchenstück. „Ich wollte es wirklich und dachte: Oh Gott! Wer wird es nehmen?

Dann hielt ich inne und erinnerte mich, dass ich in ein paar Stunden eine Begegnung mit einem von mir sehr geschätzten Zen Meister haben werde. Und alles woran ich denken kann ist, ob ich diesen Kuchen bekomme! Ja, das ist es, was ich tue und das ist was ich immer tun werde. Aber seit mir dies bewusst ist, ist es viel weniger schmerzhaft und mit viel weniger Aufregung verbunden.“

In der Lage sein, ein glückliches Leben zu führen, hängt auch vom Zufall ab – von der guten Gesundheit und der Tatsache, dass man seine Lieben bei sich hat. Die Umstände können sich immer im Handumdrehen ändern. Aber jetzt, sagt Robert Waldinger, „lebe ich ein sehr glückliches Leben.“

Über das eigene Selbst hinaus engagieren

„Eines der Dinge, über die die Teilnehmer der Langzeitstudie sprechen, ist die Befriedigung darüber, dass sie sich über das eigene Selbst hinaus engagieren“, sagt Waldinger. „Das kann das füttern der Enkelkinder sein. Es könnte ein schöner Garten sein. Es könnte auch ein Freiwilligeneinsatz in Afrika sein.“

Was die Studie zeigt, so Waldinger, findet sich auch im Zen wieder, wenn dort großen Wert auf die Beziehungen zu anderen gelegt wird. Tatsächlich hat die „Sangha“, also die Gemeinschaft mit der man in der Meditation regelmäßig im Kontakt ist, eine große Bedeutung im Zen.

„Einzeln können wir uns verlaufen“, sagt Waldinger. „Wir sind gefangen in Sorgen und in der Gewissheit, dass etwas anders sein muss, als es ist. In der Gemeinschaft erinnern wir uns gegenseitig an Wahrheiten, die leicht aus den Augen zu verlieren sind. Die Wahrheit der Unbeständigkeit, die Wahrheit eines nicht fixierten Selbst, die Wahrheit, dass alles auf einer bestimmten Ebene in Ordnung ist, so wie es ist“.

Auch in Beziehungen Anfängergeist üben

Ob es um unsere Familie, Mitarbeiter oder Freunde geht, es gibt Wege, wie wir unsere Beziehungen verbessern können. Vielleicht können wir unseren Groll loslassen und das Familienmitglied erreichen, mit dem wir seit Jahren nicht mehr gesprochen haben. Vielleicht können wir eine kleine Zeit vor dem PC durch „People Time“ ersetzen. Oder eine alte Beziehung aufleben lassen, indem wir gemeinsam etwas Neues machen.

Im Zen heißt es, dass es im Kopf des Experten wenige Möglichkeiten gibt, aber im Kopf des Anfängers gibt es viele. Was würde passieren, wenn wir alte Beziehungen mit neuen Augen sehen würden? Was, wenn wir unsere Familienmitglieder wie zum ersten Mal betrachten würden? „Was, wenn wir den Anfängergeist zum Familienessen bringen?“ fragt Waldinger. „Was oft passiert, ist, dass Beziehungen verknöchert werden.“ Wir richten uns in Rollen und feste Bilder des anderen ein, aber diese Bilder sind natürlich Verzerrungen.“

Laut Waldinger ist eines der mächtigsten Werkzeuge zur Verbesserung unserer Beziehungen das Meditieren. Durch Meditation lernen wir uns selbst kennen, und wenn wir unseren eigenen Geist und Körper wirklich verstehen, verstehen wir auch viel über den Geist und Körper anderer Menschen. Das macht uns mitfühlender mit uns selbst und allen um uns herum.

Also: Viel Glück in (… durch) Beziehungen!

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