Die Haltung des Geistes im Zen

Haltung des Geistes
Die Haltung des Geistes im Zen

Die Haltung des Geistes ist eine Haltung im Zen. Sie steht im Zusammenspiel mit der äußeren Haltung, also der Form der Bewegungen in der Zendo (dem Raum der Meditation) und der körperlichen Meditationshaltung im engeren Sinn. Also der Haltung im Sitzen.

Alles spielt und gehört zusammen. Wegen der äußeren Form und einer ruhigen, aufrechten Sitzhaltung bei der Meditation wird Zen manchmal als streng empfunden. Dabei ist diese Klarheit im Außen ein Schlüssel für eine Klarheit und Stille im Inneren.

Und ganz nebenbei: Wer sich auf diese vermeintlich strenge äußere Form einmal einlässt, der wird sehr schnell die Vorteile erkennen und sie sehr schätzen lernen.

Die Haltung des Geistes

Die richtige Atmung kann nur aus einer korrekten Haltung hervorgehen. Gleichermaßen ergibt sich die Haltung des Geistes auf natürliche Weise aus der tiefen Konzentration auf die Körperhaltung und die Atmung. Wer Atem hat, lebt lang, intensiv und glücklich.

Die Übung des richtigen Atmens erlaubt es, alle nervlichen Belastungen auszugleichen, Instinkte und Leidenschaften zu meistern und die geistige Aktivität zu kontrollieren.

Der Blutkreislauf im Gehirn wird in bemerkenswerter Weise verbessert. Die Gehirnrinde (der Cortex, verantwortlich für unser analytisches, entscheidendes, planerisches Denken) erholt sich, kann regenerieren. Und der bewusste Gedankenfluss hält inne, während die Durchblutung der tiefen Schichten verbessert wird.

Derart besser versorgt, erwachen sie aus ihrem Halbschlaf, und ihre neue Aktivität bewirkt ein Gefühl von Wohlbefinden, Heiterkeit und Ruhe, ähnlich wie im tiefen Schlaf, und doch ganz und gar wach.

Das Nervensystem ist entspannt, das Stammhirn – Thalamus und Hypothalamus -‚ in voller Aktivität. Man ist durch jede einzelne Zelle des Körpers hindurch in höchstem Grad aufnahmefähig und aufmerksam. Man denkt jetzt unbewusst mit dem ganzen Körper. Jede Dualität, alle Gegensätze sind überwunden, ohne dass man dazu Energie aufbringen müsste.

Zugriff auf Kraft, Intuition und Weisheit

Die so genannten primitiven Völker haben sich die tiefen Schichten des Gehirns sehr aktiv erhalten. Indem wir unsere Art von Zivilisation entwickelt haben, haben wir zwar den Intellekt geschult, verfeinert und verkompliziert, jedoch die mit dem inneren Kern des Gehirns verbundene Kraft, Intuition und Weisheit vergessen.

Gerade aus diesem Grund ist Zen von unschätzbarem Wert für den Menschen von heute, zumindest für denjenigen, der Augen hat zu sehen und Ohren zu hören.

Die Haltung des Geistes beim Zazen

Durch die regelmäßige Praxis des Zazen (die Sitzmeditation) wird dem Menschen die Chance gegeben, ein neuer Mensch zu werden und zum Ursprung des Seins zurückzukehren. Er kann das Dasein an der Wurzel packen und so den normalen Zustand von Körper und Geist wiedererlangen.

Beim Sitzen in Zazen lässt man die Bilder, die Gedanken und alle geistigen Gebilde, die aus dem Unbewussten auftauchen, vorbeiziehen wie Wolken am Himmel – ohne sich ihnen zu widersetzen, ohne sich an sie zu klammern. Wie Schatten vor einem Spiegel zieht alles vorbei, was aus dem Unterbewussten ausströmt, kehrt zurück und zerrinnt schließlich.

So gelangt man zum tiefen Unbewussten, das ohne Gedanken ist, jenseits allen Denkens, Hishiryo, wahre Reinheit.

Einfach und schwer zugleich

Zen ist sehr einfach und gleichzeitig recht schwer zu verstehen. Es ist dies eine Sache der Anstrengung und der Wiederholung – wie das Leben.

Wenn beim Sitzen – ohne Umschweife, ohne Zweck und ohne etwas erreichen zu wollen – Eure Haltung, Atmung und Geisteshaltung in Harmonie sind, dann versteht ihr das wahre Zen, dann begreift ihr Eure wahre Natur.

Zen-Meister Deshimaro Roshi, aus: Fragen an einen Zen-Meister; eigene Einleitung und Ergänzungen

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