Stille – Ein Raum entsteht

Stille - Ein Raum entsteht

Stille – Ein Raum entsteht

Stille ist dann, wenn keine Geräusche da sind. Oder ist es mehr als nur die Abwesenheit von Geräuschen? „Stille ist nicht die Abwesenheit von etwas, sondern die Präsenz von allem“, so der „Akustik-Ökologe“ Gordon Hempton. Brauchen wir Stille? Und trauen wir uns in die Stille? Halten wir das aus? Halten wir uns in der Stille aus? – Probieren wir es doch einfach aus …

Einen einfachen Weg in die Stille beschreibt Robert Waldinger in seinem Text:

4 Wege wie Stille zu einem guten Leben beiträgt

Als ich von meinem dreiwöchigen Retreat im Schweigen zurückkehrte, wurde ich daran erinnert, warum ich die Stille so schätze und immer wieder lerne, mich auf ein ruhigeres Leben einzulassen.

Losgelöst von der Geschäftigkeit des Alltags in einem Zen-Kloster konnte ich mich wieder auf das Wesentliche konzentrieren. Auf das, was das Leben eigentlich reich und erfüllend macht. Dies geschah ganz mühelos, allein durch ein entstehen lassen von Raum und Stille.

Unsere Kultur schätzt die Stille nicht. Wir legen Wert auf Geschäftigkeit. Wir füllen unser Leben mit endlosen Aufgaben. Und wir geraten in einen endlosen Kreislauf des Tuns. Mit jeder neuen E-Mail wenden wir uns von dem Reichtum ab, der direkt vor uns liegt. Es liegt in unserer Macht, uns Zeit zu nehmen, um zu sein anstatt zu tun.

Hier sind nur einige Möglichkeiten, die uns helfen können, Zeit und Raum für Ruhe zu schaffen.

1) Stille hilft zu klären, was wirklich wichtig ist – jetzt und morgen

Wenn wir ein geschäftiges, hektisches Leben führen, stellen wir fest, dass die grundlegenden Aspekte des Lebens (wie unsere Beziehungen und unsere Gesundheit) der Sorge darüber weichen, was nicht wichtig ist, etwa Dinge wie Erfolg und Reichtum.

Still sitzen hilft uns unsere Prioritäten wiederzuentdecken. Unsere tiefsten Werte kommen zum Vorschein, wenn wir ihnen Platz machen. Dazu gehört natürlich, dass wir der Stille eine Chance geben und unsere digitalen Begleiter ablegen, alles Gebimmel zum Schweigen bringen. Hilfreich ist auch eine bildschirmfreie Zeit einzubauen.

Eine Umfrage sagt uns, dass 84% der Handy-Nutzer behaupten, sie könnten keinen einzigen Tag ohne ihr Gerät auskommen. Zumindest glauben sie das. Probiere es einmal länger als einen Tag, vielleicht ein Wochenende. Und wenn es nicht geht, dann starte mit einem Nachmittag.

Als ich Stunde um Stunde in Stille im Retreat verbrachte, kam meine Aufmerksamkeit immer mehr zu dem, was mir wirklich am Herzen liegt. Gleichzeitig sahen viele der Sorgen, die im Arbeitsalltag so wichtig erschienen, trivial aus.

Still sitzen, nichts tun, lässt den Raum entstehen, sich wieder auf das Wesentliche konzentrieren.

2) Stille lässt Raum für Zufriedenheit und Freude

Menschen, in ihren Bemühungen ein gutes Leben zu finden, werden oft von Sorgen, Furcht und Ängsten belastet. Eine endlose To-Do-Liste kann dazu führen, dass wir uns unzulänglich fühlen und nie in der Lage sind, unsere eigenen Erwartungen zu erfüllen. Das Sitzen in Stille öffnet den Weg, das zu schätzen, was wir bereits haben, genau hier und jetzt.

Innere Stille gibt uns Zeit, den Geschmack eines Apfels zu schätzen, das Spiel des Sonnenlichts auf einem Teppich oder das Zwitschern eines Vogels oder einer Oboe. Plötzlich quillt das Wunderbare, einfach lebendig zu sein, mühelos hervor.

Indem sie uns die reine Freude am Leben spüren lässt, wird die Stille zu ihrer eigenen Belohnung.

3) Stille entlarvt die Leere in unserer Jagd nach dem nächsten großen Ding

Als mein kleiner Video-Vortrag plötzlich um die Welt ging, hätte ich meinen Terminkalender mit vielen tollen Möglichkeiten füllen können über meine Forschung zu sprechen. Aber jede dieser Gelegenheiten zu akzeptieren, hätte mich erschöpft. Unerwarteter Ruhm und mediale Aufmerksamkeit bringen wunderbare Möglichkeiten mit sich, aber auch die Bürde, auf alle diese Forderungen zu reagieren, die uns von dem wegziehen, was uns wirklich wichtig ist.

Aus dieser plötzlichen Öffentlichkeit herauszutreten war ein Geschenk, das ich mir selbst machte. Und ich hätte diese Pause nicht ohne die Unterstützung meiner Lieben und Arbeitskollegen machen können. Ein dreiwöchiges Stille-Retreat war der beste Weg, mein Bewusstsein für das Wichtigste in meinem Leben wieder in den Mittelpunkt zu stellen.

Für mich und für viele der Menschen, die an unserer Forschung teilgenommen haben, geht es gerade nicht darum, jeder Gelegenheit hinterherzujagen. Vielmehr geht es darum, Ablenkungen herauszufiltern und immer wieder auf das Wesentliche zurückzukommen.

Stilles Sitzen zeigt uns Momente, in denen nichts fehlt, nichts zu suchen ist.

4) Stille erinnert uns daran, dass wir mit weniger zufrieden sein können

In unserer Studie über die Entwicklung von Erwachsenen glaubten viele Menschen zu Beginn, dass Geld und Ruhm die Schlüsselindikatoren für ein sinnvolles Leben sind. Aber die Menschen, die sich auf diese flüchtigen Dinge konzentrierten, kämpften mit einer Knappheitsmentalität und hatten das Gefühl, nie genug zu haben.

Zufriedenheit ist das natürliche Ergebnis der Betrachtung des Lebens durch die Brille der Dankbarkeit und nicht des Mangels. Ein ruhiges Leben, in dem wir nicht nach dem Nächstbesten greifen, lässt uns mit weniger zufrieden sein. Wenn wir mit dem was wir haben zufrieden sind, dann können wir leichter ein Leben führen, wo es nichts gibt, was wir brauchen, um glücklich zu sein.

Matsuo Bashō, der japanische Dichter aus dem 17. Jahrhundert, sagte einmal:

„Still sitzen. Nichts tun.
Der Frühling kommt, und das Gras wächst von selbst.“

Wenn du dich in einem geschäftigen, hektischen und lauten Leben gefangen fühlst, kannst auch du dich (länger oder kürzer) zurückziehen und die einfache Schönheit der Stille in der Stille selbst finden. Diese Stille kannst du in eine Woche, einen Tag oder sogar in einen kurzen Moment einbauen. Man muss nur mutig genug sein, um die Stille zu umarmen.

Einfache erste Schritte dazu sind die folgenden:

(1) Ziehe den Stecker aus der Welt – von allen elektronischen Medien – ob für eine Stunde, einen Nachmittag oder ein mehrtägiges Retreat. Lasse die Cyberwelt eine Weile ohne dich weitergehen. Finde einen bequemen Platz, um friedlich zu sitzen und absolut nichts zu tun.

(2) Meditiere ein wenig. Lass dich darauf ein und schaffe einen Raum.

(3) Sitze draußen (oder an einem Fenster), sei absolut still und schaue auf die Welt. Bemerke die Dinge, über die dein Blick gewöhnlich hinweg geht. Bemerke all die Bäume und Wolken und die Textur von Ziegelmauern.

Beginne heute …. Experimentiere mit einem der obigen Vorschläge – oder mit allen dreien!

Versuche es aufrichtig. Dann nimmst du ein Blatt Papier und reflektierst das Erlebte.

Ich werde dasselbe tun.

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