Licht – Eins werden mit dem Schatten

Licht
Licht – Eins werden mit dem Schatten

Licht. – Unsere wahre Natur ist licht und hell, sagen die Zen-Meister. Doch wie kann das sein? Klingt das nicht wie blanker Hohn, wenn wir uns die Nachrichten anschauen und uns erschüttert abwenden von Terror, Krieg und Elend? Wo ist das Licht, von dem im Zen die Rede ist? Eine Fata Morgana? Ein leeres Versprechen? Ein Privileg für Erleuchtete?

Das Licht ist immer da

Das Licht ist immer da, wir können es nur nicht erkennen, weil unser eigener Schatten uns die Sicht darauf versperrt. Wenn wir das Dunkle abspalten und irgendwo da draußen in der Welt verorten und nicht in uns selbst, versperrt uns das den Weg zum Licht.

Wir wollen mit dem Dunklen nichts zu tun haben. Gewöhnlich versuchen wir, die Schatten, die unser Leben verdunkeln, zu vertreiben, doch das ist unmöglich, weil wir selbst es sind, die den Schatten werfen. Wer je versucht hat, seinen eigenen Schatten zu fangen, weiß, dass das nicht funktioniert. Nur wenn die Sonne exakt senkrecht steht, am Äquator, wird kein Schatten geworfen.

Eins werden mit dem Schatten – Den Schatten umarmen

Der einzige Weg, das innere Licht anzuknipsen, ist, eins zu werden mit dem Schatten und zu erkennen, dass er nur eine Ausdrucksform von Licht ist. Dann steht unsere innere Sonne senkrecht, alles wird hell. Und plötzlich ist klar, dass da von Anfang an immer nur Licht war.

Doch wir scheuen die Begegnung mit dem Schatten. Er macht uns Angst. Was tun? Zen schlägt einen Weg vor, der mitten durch die Dunkelheit führt. Zen üben bedeutet den Schatten umarmen und die Kraft, die in ihm verborgen ist, ans Licht zu bringen.

Die beste Zeit für Meditation ist morgens, wenn es noch dunkel ist. Die Dunkelheit hilft, in eine tiefe Stille zu fallen, Stille ist die Zwillingsschwester des Lichts.

Werde zur Sonne, dann gibt es keinen Schatten mehr

Zen üben bedeutet, mit allem zu sitzen, was auftaucht. Trägheit, Niedergeschlagenheit, Wut, Groll, Neid, Gier.

Doch wir analysieren nicht, wir suchen nicht nach psychologischen Erklärungen, wir nehmen diese Erscheinungen wahr und lassen sie ziehen, bis der Himmel aufklart. Alles, was sich zeigt, nutzen wir als Motor, dahinter zu blicken. »Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich«, lautet ein irischer Segensspruch. In Zen-Sprache übersetzt: Werde zur Sonne, dann gibt es keinen Schatten mehr.

Der Weg zur Sonne: Sitzen, anhalten. Düstere Gedanken kommen und gehen lassen. Düstere Gefühle kommen und gehen lassen. Jeden Tag heller werden durch ein tägliches Date mit dem Schatten und irgendwann erleben, wie er zu Lichtstaub zerfällt.

Quelle: Hinnerk Polenski, Das Leben ist ein Geschenk

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