Körpersignale und Entscheidungen

Körpersignale und Entscheidungen

Körpersignale und Entscheidungen

Entscheidungen sind rationale Vorgänge und finden im Kopf statt. Wirklich? Das Ideal einer rationalen Entscheidungsfindung, bei der alle bekannten Faktoren und möglichen Konsequenzen der verfügbaren Alternativen sorgsam gegeneinander abgewogen werden, um schließlich die beste auszuwählen, dieses Ideal dürfte in der realen Welt eher die Ausnahme als die Regel sein. Komplexität, fehlende Informationen und Zeitdruck lassen eine vollständige Analyse der Lage und der potentiellen Auswirkungen einer Entscheidung oft nicht zu. Die meisten und gerade auch sehr wichtige Entscheidungen werden daher intuitiv, »aus dem Bauch heraus« getroffen (Zeuch, 2010).

Entscheidungen und Intuition

Erst in den letzten Jahren hat sich die Forschung, z.B. in Zusammenhang mit der Management-Ausbildung, näher mit intuitiven Entscheidungen, der intuitiven Entscheidungsfindung befasst und mit der Möglichkeit, Intuition gezielt zu trainieren (Sadler-Smith & Shefy, 2007). Obwohl die neurowissenschaftliche Grundlagenforschung zu intuitiven Denkprozessen noch in den Kinderschuhen steckt, zeichnet sich ab, dass Körpersignale und deren Wahrnehmung dabei eine wichtige Rolle spielen. Die Theorie der »somatischen Marker« von Damásio (1999,2002) besagt, dass Änderungen des körperlichen Erregungsniveaus („Körpersignale“) einen wichtigen Einfluss auf das Verhalten ausüben. Sie signalisieren uns, ob eine Handlung mit großen Risiken behaftet ist. Damásio konnte z.B. in Gewinnspiel-Experimenten zeigen, dass Personen, die Warnsignale aus dem Körper nicht berücksichtigen, Risiken eingehen, die mit hohen Verlusten verbunden sind, also keine „guten“ Entscheidungen treffen.

Emotionale Intelligenz und Meditation

Umgekehrt wird die Beachtung körperlicher Signale als Teil der emotionalen Intelligenz betrachtet und als wichtiger Baustein bei der Entwicklung intuitiver Kompetenzen (Sadler-Smith & Shefy, 2007; Zeuch, 2010). Meditationstechniken, die die Wahrnehmung und Bewusstheit des Körpers und von Körperempfindungen steigern, sind in der Lage, die emotionale Klarheit zu erhöhen (Nielsen & Kaszniak, 2006; Zeidler, 2007).

Die Weisheit des Körpers

Eine wichtige Zielsetzung der Meditation besteht darin, die vernachlässigte Körperwahrnehmung zu verbessern, damit einen Zugang zur »Weisheit des Körpers« zu eröffnen (Kabat-Zinn, 2006). So kann man lernen, Gefühlen, Intuitionen und dem eigenen Gespür für Situationen und andere Menschen mehr zu vertrauen, intuitive (Entscheidungs-)Prozesse zu stärken und zu verbessern. Ein verstärktes »Selbstvertrauen« ist eine typische Auswirkung tiefer Meditation. Praktizierende berichten, dass sie bei tiefen Meditationserfahrungen zu sich kommen und ihre innere Mitte (wieder) finden (Müller, 1997).

Quelle: Ulrich Ott, Meditation für Skeptiker, eigene Ergänzungen

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