Traurigkeit

Traurigkeit
Traurigkeit bildet die Wurzeln, Glück die Zweige eines Baumes

Traurigkeit drückt tiefe Betroffenheit aus. Sie geht uns nahe, hat mit uns selbst zu tun. Sie ist ein Gefühl, welches ein – vielleicht schicksalhaftes – Ereignis wie Verlust, Ablehnung, Trennung oder Tod begleitet. Sie kann die kleine, aber ausdauernde Schwester der Trauer sein.

Traurigkeit in der ganzen Bandbreite von Emotionen

Traurigkeit findet oft im Stillen statt, wenn wir alleine sind und es Raum gibt, wo wir uns unserem Zustand bewusst werden können. Sie ist kein lautes Gefühl, kommt auf leisen Sohlen.

Emotionen können die aufregendsten, schönsten Zustände auf der Welt sein, besonders wenn man Liebe, Glück, Ausgelassenheit, Leichtigkeit und Ekstase empfindet. Auf der anderen Seite können sie lebende Alpträume sein und uns als Angst, Depression, Wut, Einsamkeit Schlimmes durchleben lassen. Traurigkeit ist irgendwo dazwischen und findet auch deshalb nicht selten die gleiche Beachtung wie unsere emotionalen Zustände an den Extremen.

In der Kindheit wird uns beigebracht, die positiven Emotionen zu suchen und uns vor den negativen Emotionen zu verstecken. Das richtet uns um Umgang mit Gefühlen einseitig aus, lässt uns als Erwachsene emotional verkümmern, weil wir am Ende nicht wissen, wie wir mit Negativität auf gesunde Weise umgehen sollen. Manchmal verlieren wir Partner, Beziehungen, Arbeitsplätze und alles, was wir aufgebaut haben, einfach deshalb, weil wir nicht wussten, wie wir mit der Negativität richtig umgehen sollten.

Traurigkeit und Beziehungsende

Das Ende einer Beziehung kann dramatisch, eskalierend oder schleichend sein. Die enge Verbindung zu jemanden, den man liebt, liebte oder zumindest mit dem man verbunden war und einen Teil seines Lebensweges gegangen ist, zu beenden oder zu verlieren, das kann zu den schwierigsten Erfahrungen in einem Leben zählen.

Ganz unabhängig davon, ob wir selbst den Schritt zu einer Trennung gewählt haben oder ob wir vom Partner damit konfrontiert werden. Im Zeitpunkt, wo das dann auf dem Tisch liegt, zeigen sich oftmals die ganz stark sicht- und wahrnehmbaren Emotionen an den Extremen auf der Gefühlsskala. Traurigkeit bemerken wir dann eher, wenn die Extreme zur Ruhe gekommen sind. Sie kann aber die anderen Gefühle überdauern und lange eine Begleiter sein.

Vermeiden, wegdrücken schafft Leiden

Wir sind uns alle einig, dass mit negativen Emotionen schwer umzugehen sein kann. Sehr oft erliegen wir der Versuchung, negative Emotionen zu vermeiden oder sie tief in uns zu verbergen, zu vergraben, so dass wir uns – vermeintlich – nicht damit beschäftigen müssen.

Forschungsergebnissen zufolge ist jedoch eine der Hauptursachen vieler psychologischer Probleme genau diese Gewohnheit, Emotionen zu vermeiden, ihnen auszuweichen. Der kurzfriste Gewinn durch das Wegdrängen und Vermeiden erkauft dabei langfristiges Leiden.

Zu einem ausgeglichenen und vollem (Er-)Leben gehören und braucht es alle Emotionen. Ein sehr schönes Bild mit einem großen Baum macht das deutlich:

„Traurigkeit verleiht Tiefe. Glück gibt Höhe. Traurigkeit gibt Wurzeln. Glück gibt Zweige. Glück ist wie ein Baum, der in den Himmel wächst, und Traurigkeit ist wie die Wurzeln, die in den Boden der Erde hinabsteigen. Beides ist notwendig, und je höher ein Baum wächst, desto tiefer wurzelt er gleichzeitig. Je größer der Baum ist, desto größer werden seine Wurzeln sein. Tatsächlich steht es immer in einem angemessenen Verhältnis. Das ist sein Gleichgewicht.“

Wie lernen wir, alle unsere Emotionen zu umarmen?

Hört man, was weiße Lehrer dazu sagen, dann geht es darum, auf sein Sein zu hören und Reife zu erlangen:

„Höre auf dein Sein. Es gibt dir ständig Hinweise; es ist eine stille, kleine Stimme. Sie schreit dich nicht an, das ist wahr. Und wenn du ein wenig still bist, wirst du anfangen, dich zu fühlen. Sei die Person, die du bist. Versuche nie, ein anderer zu sein, und du wirst Reife gewinnen. Reife bedeutet, Verantwortung zu übernehmen, man selbst zu sein. Ganz gleich, was da kommt.“

Da große, stabile Baum aus dem Bild davor, der ist auch ein Bild für diese Reife.

Warum Sie Traurigkeit als Mittel zur Meditation verwenden sollten

„Traurigkeit ist leise, sie gehört dir. Sie kommt, wenn und weil du alleine bist. Sie gibt dir die Chance, tiefer in dein Alleinsein zu gehen. Anstatt von einem seichten Glücksmoment zu einem anderen zu springen, ist es besser, die Traurigkeit in der Meditation zu nutzen. Sei dir deiner Traurigkeit bewusst. Sie ist ein Freund! Sie öffnet die Tür zu tiefem Alleinsein.“ Das kann gut sein, … für eine Weile.

Alle Gefühle beinhalten immer eine Nachricht, eine Information. Emotionen bleiben so lange, bis wir diese Information entgegengenommen haben. So können sie uns zu innerer Klarheit verhelfen und zeigen, wo wir feststecken. Diese Momente sind dann große Lehrer.

Wenn du diese Emotionen als Freunde betrachtest, wird sich nach und nach Verstehen, neue Impulse einstellen, so dass sich mehr und mehr ein akzeptieren einstellt und das Ankämpfen kleiner wird. Ganz wie in Rumis (Sufi-Mystiker aus dem 13. Jahrhundert) berühmten Gedicht „Das Gasthaus“, wo er beschreibt, wie man Gefühle wie Gäste beherbergt. Sie willkommen heißt … und auch wieder gehen lässt.

Wie man Akzeptanz praktiziert

Wir alle sind negativen Emotionen immer wieder ausgesetzt. Der Versuchung des Vermeidens ebenfalls. Dabei lassen wir viel Energie und sowohl die Psychologie wie auch ein buddhistischer Kontext würden von einer Quelle von Leid sprechen.

Emotionen sind immer ein Teil davon, was uns zu menschlichen Wesen macht. Wenn wir das akzeptieren, bejahen wir unser Menschsein und können aufhören, diese Vermeidungsenergie zu verschwenden.

Emotionen werden uns nicht umbringen. Sie sind ärgerlich, manchmal sehr fordernd, bereiten manchmal Schmerz, aber wir können damit umgehen (s. das RAIN-Konzept) , unseren Umgang – unseren emotionalen Stil – sogar ändern. Sie zu akzeptieren ist viel weniger lästig als der ständige Versuch, ihnen auszuweichen.

Soweit die Empfehlungen anderer, die sicher auch auf vielen Erfahrungen und auch auf Forschung gründen. Sie zeichnen einen Weg für den Umgang damit, geben Aussicht auf innere Reife und darauf ein stabiler, großer „Baum“ zu werden. Und doch färben diese Emotionen in der konkreten Situation unser Leben sehr ein, bestimmen die gefühlte Wahrnehmung und unsere Tonart.

Auch Traurigkeit bleibt bei aller Aussicht auf tiefe Wurzeln und auf einen gleichgewichtigen, starken, schönen Baum in der Zukunft, im Moment Traurigkeit.

Zurück zur Übersicht

Dieser Beitrag wurde unter Meditation abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.