Meditations-Praxis – einfach, leicht, schwer?

Meditation schwer
Meditation – einfach, leicht, schwer?

Meditation ist sehr einfach. Das heißt nicht, dass es leicht ist. Und nur weil es schwer ist, heißt das nicht, dass es schlecht ist. Dies Begriffspaare „leicht – schwer“ und „einfach – schwierig“ stiften Verwirrung. Wie kann all‘ dieses ruhig und gut nebeneinander stehen?

Nur weil es schwer ist, heißt das nicht, dass es schlecht ist

Nach seiner ersten Teilnahme an der wöchentlichen Zen-Meditation, sprach ich den neuen Teilnehmer an und wollte wissen, ob alles ok sei mit ihm. Er sprach kurz von seinen ersten Erfahrungen und er erwähnte, es sei ihm schwer gefallen, einfach nur still zu sitzen.

Ich schlug ihm vor, diese Erfahrung für den Moment einfach so stehen zu lassen. Ich wollte ihn damit einladen, offen für weitere Erfahrungen zu bleiben, sich weiter einzulassen und nicht gleich das Handtuch zu werfen (wie es doch viele sehr schnell tun).

Seine Antwort überraschte mich: „Oh, nein“, antwortete er, „schwer bedeutet nicht unbedingt, dass es ’schlecht‘ ist“.

Meistens mögen die Menschen die Dinge, die schwer sind, nicht gerne tun. Manchmal muss man den Spieß herumdrehen. So tat dies John F. Kennedy in seiner berühmte Rede im Jahr 1961, als er sein Ziel verkündete, bis zum Ende dieses Jahrzehnts einen Mann auf dem Mond zu landen und ihn sicher zur Erde zurückzubringen. „Wir tun diese Dinge“, sagte er, „nicht weil sie leicht sind, sondern weil sie schwer sind“.

Meditation ist einfach, aber nicht leicht

Meditation heißt zunächst einmal sich mit einem Meditationskissen oder Bänkchen auf eine Matte zu setzen, still zu sein, nach außen nichts tun. Das ist zunächst sehr einfach, nicht kompliziert, schwer oder schwierig. Aber ist es auch leicht?

Introspektive Praktiken wie die Zen Meditation oder andere Formen haben diese Eigenschaft gemeinsam. Wir tun sie, weil wir darin inneren Hindernissen begegnen, über die wir klettern oder durch die wir uns hindurch bewegen können. Und dabei kommen wir auf der anderen Seite anders – vielleicht bereichert – heraus. Wir laden die Schwierigkeit auf kleine, kontrollierte Weise ein, damit wir uns den Schwierigkeiten in unserem täglichen Leben stellen können, die groß sind und nicht in unserer Kontrolle liegen.

Dazu passt Arthur Schopenhauer:

„Sich zu mühen und mit dem Widerstande zu kämpfen ist dem Menschen Bedürfnis, wie dem Maulwurf das Graben. Der Stillstand, den die Allgenügsamkeit eines bleibenden Genusses herbeiführte, wäre ihm unerträglich. Hindernisse überwinden ist der Vollgenuss seines Daseins.“

Ok, das Bild des Kämpfens gegen die Widerstände und Hindernisse aus Schopenhauers Zitat entstammt nicht dem Zen. Sie be- oder gar niederkämpfen zu wollen erzeugt weiteren Widerstand und neue Hindernisse. In der Zen Meditation finden wir eine andere Art damit umzugehen.

Jede Sitz-Runde ist immer wieder neu und einmalig. Das, was wir in der Meditation erfahren, ist niemals vollkommen gleich. Immer wieder neu, anders. Offen bleiben – offen sein – für das, was jetzt gerade ist. Heute. Jetzt im Moment. Dieses Offenheit und Präsenz sind entscheidend für das Wachstum in unserer täglichen Meditationspraxis.

So lassen wir Raum für eigene Entwicklung. Unsere Meditationspraxis entsteht immer wieder aufs Neue.

„Hindernisse und Schwierigkeiten sind Stufen, auf denen wir in die Höhe steigen.“
(Friedrich Nietzsche)

Was tun, wenn Meditation schwer wird?

Versuche während der Sitzmeditation, wenn es schwer zu werden scheint, wenn Schwierigkeiten auftauchen, sich dem zunächst zuzuwenden. Anerkenne, dass diese Schwierigkeiten jetzt da sind. Lasse die schwierige Erfahrung einfach „sein“ (im Sinne von präsent sein, da sein lassen, zulassen), während du bemerkst, wie sie sich durch deinen physischen Körper als Empfindung oder als Gefühl der Emotion bewegt. Beachte dann, wie der Verstand anfängt seine Geschichten über diese Situation zu erzählen. Wie er Präferenzen und Urteile darüber bildet und wie er will, dass die Dinge anders sind, als sie sind.

Wenn wir diesen Weg des Tuns (oder Nicht-Tun) gegenüber schwierigen Ereignissen in unserem Weg des Übens und Praktizierens einschlagen, können wir in unserem täglichen Leben geschickter und anmutiger handeln (oder nicht handeln).

„Jeder schwierige Augenblick hat das Potenzial, mir die Augen zu öffnen und mein Herz zu öffnen.“ (Myla Kabat-Zinn)

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