Schwierigkeiten – Ein tolles Übungsfeld

Schwierigkeiten

Schwierigkeiten – Ein gutes Übungsfeld

Schwierigkeiten sehen wir meist als unangenehm, hinderlich, im Weg stehend an. Dabei sind es gerade die Schwierigkeiten, die uns Möglichkeiten eröffnen. Möglichkeiten der Entwicklung, der Übung, des Erkennens. Schwierigkeiten sind oft die Startpunkte von etwas Neuem. Dies gilt für jedes Tun, jedes Training, auch für ein „Geistestraining“ und in der Meditation.

Schwierigkeiten sind gute Nachrichten

Wenn man auf Schwierigkeiten trifft, die vielleicht als Stress, Zaudern, Wut, Schmerz, Unsicherheit oder Unbehagen verkleidet sind, dann ist dies die Möglichkeit, tiefer in die Übung, tiefer in die Meditation einzutauchen. Und dann ist das, was wir auf den ersten Blick als schlechte Nachrichten ansehen eigentlich gute Nachrichten.

Nehmen wir das Beispiel von Hans…. er will anfangen zu meditieren, also nimmt er sich vor, jeden Morgen für 10 Minuten zu meditieren. Eine gute Sache!

Und er macht anfangs einen tollen Job und meditiert mehr als einen Monat lang jeden Morgen. Er fühlt sich ziemlich gut dabei.

Dann muss er auf eine Reise gehen, und er ist so beschäftigt, dass er ein paar Tage Meditation auslässt. Als er nach Hause zurückkehrt, kommt seine Mutter zu Besuch und er scheint keine Zeit zum Meditieren zu haben.

Wie reagiert Hans? Er fühlt sich schlecht, weil er die Mediation verpasst hat, seine Serie wegen der Reise und eines Besuchers hat abreisen lassen. Er beginnt zu zweifeln, ob er an der neu eingeübten Gewohnheit festhalten kann, fühlt sich schuldig, will nicht einmal an die Meditationsgewohnheit denken. Wenn er aufwacht, geht er an sein Telefon, um sich von dem abzulenken, was er nicht tut.

Schlechte Neuigkeiten für Hans, oder? Eigentlich ist dieser Moment eine gute Nachricht.

Schwierigkeiten eröffnen Übungsfelder

In diesem Moment hat er sein schönes Übungsfeld betreten. Das sind gute Neuigkeiten.

Diese Idee eines schönen Übungsfeldes ist etwas, das Tausenden von Menschen beim Entwickeln neuer Gewohnheiten wie Achtsamkeit und Meditation begegnet.

Was ist das schöne Übungsfeld?

Als Hans‘ Meditationsgewohnheit abriss, reagierte er mit Selbstkritik, Schuld, Selbstzweifel, Vermeidung und Ablenkung. Das mag wie eine schlechte Nachricht erscheinen – wer will schon so reagieren?

Aber eigentlich ist es eine gute Nachricht: Diese Art zu reagieren ist eigentlich Hans‘ gewohnte Art, auf Schwierigkeiten zu reagieren. Er hat sich darauf eingestellt, auf diese Weise auf ähnliche schwierige Situationen zu reagieren, auf kleine und große Misserfolge, wahrscheinlich seit seiner Kindheit. Diese gewohnte Art, auf Schwierigkeiten zu reagieren, ist eigentlich das, was ihm im Weg steht.

Den Geist zu trainieren, in genau dieser Art von Situation anders zu reagieren, ist wahrscheinlich das wichtigste Training, das Hans machen könnte.

Der Moment des Bemerkens

Wenn er seine gewohnte Reaktion nachvollziehen kann, wird er die meisten seiner Schwierigkeiten beseitigen. Anstatt mit schlechten Gefühlen und Selbstkritik zu reagieren, das Thema wegzuschieben, in die Vermeidung zu gehen, wenn seine neue Gewohnheit abreist, fängt er einfach von vorne an. Mit Dankbarkeit.

Es ist also eine sehr, sehr gute Nachricht, dass er seine Schwierigkeiten, seine gewohnte Reaktion auf Schwierigkeiten, Unsicherheit und Unbehagen bemerkt hat. Genau in diesem Moment, wenn er sich schlecht fühlt und in die Ablenkungen rennt…. dieser Moment ist sein wunderschönes Übungsfeld.

Mitten in dieser gewohnten Reaktion kann er innehalten. Er kann bemerken, was los ist. Kann eine andere Antwort darauf finden. Er kann beginnen, seinen Geist umzuschulen, indem er andere Möglichkeiten eröffnet.

Also können wir Schwierigkeiten im Leben als gute Nachricht sehen. Einen Moment des Versagens, ein Bewusstsein darüber, eine Ablenkung, Wut, Frustration … alles ein schönes Übungsfeld.

Wo überall sind Übungsfelder?

Die Art und Weise, wie wir gewöhnlich auf Schwierigkeiten reagieren, ist vielfältig. Aber es gibt einige ziemlich häufige…. Vielleicht kommen Euch ja einige bekannt vor:

  • Sich über das Verhalten anderer ärgern und eine Geschichte dazu im eigenen Kopf entstehen lassen.
  • Zögern bei schwierigen Aufgaben
  • Den Moment des Beginns einer Gewohnheit wie Meditation, Laufen, mehr Schlaf, … verschieben.
  • Sich schlecht fühlen, wenn man seinen Erwartungen nicht gerecht wird.
  • Andere verübeln, wenn sie Deine Erwartungen nicht erfüllen.
  • Sich aufregen, wenn die Dinge nicht so laufen, wie man es sich wünscht.

Mit anderen Worten, alle unsere schwierigen Situationen sind Übungsfelder!

Wie könnte man mit seinem Übungsfeld umgehen?

Wir können beginnen, diese Schwierigkeiten als gute Nachricht zu betrachten. Als Orte der Praxis, die voller Freundlichkeit mit uns selbst Wachstumschancen sind.

Wenn Du bemerkst, dass Du Schwierigkeiten hast – jemand frustriert Dich, Du bist enttäuscht von dir selbst, Du zögerst bei einer schweren Aufgabe oder Gewohnheit, Du fühlst Dich nachtragend oder kritisierst Dich selbst – dann fang an, dies als deine Übung zu erkennen. Als gute Gelegenheit.

Jetzt Pause. Halte an und bemerke, mache Dir bewusst, was genau Deine Übung jetzt ist. Wie es ist. Beachte die Empfindungen dazu, die Qualität des Erlebens. Beachte, wie Du Dich fühlst und begrüße dabei alles, was Du bemerkst. So wie Du einen guten Freund bei Dir zuhause begrüßen würdest.

Beachte, was Deine gewohnte Reaktion ist … . Vielleicht möchtest Du es vermeiden, darüber nachzudenken? Willst Dich ablenken? Willst im Internet dazu googlen oder auf andere Weise ausweichen? Willst Du vor Wut um Dich schlagen, Dich oder andere kritisieren, Dir eine Geschichte dazu im Kopf entstehen lassen?

Möglichkeiten entstehen

In dem Moment, wo Dir das alles bewusst wird, Du Dir wie von außen dabei zuschaust, dieser Moment ist Achtsamkeit. Es entsteht eine Offenheit, ein Raum in dem Du eine Wahl treffen kannst eben nicht wie gewohnt zu reagieren.

Vielleicht triffst Du in diesem Raum auch auf Neugier: Wie ist, in diesem tollen Übungsfeld zu sein? Dann können sich dort auch neue Antworten auf die Schwierigkeiten einstellen, wie Du anstelle Deiner Gewohnheit noch reagieren – oder besser – agieren kannst? Und dabei in der Freundlichkeit zu Dir selbst bleiben.

Schwierigkeiten sind gute Nachrichten. Sie eröffnen Übungsfelder und die Möglichkeit zu üben. Wenn Du damit anfängst, kann sich die ganze Welt verändern.

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