Reflexion zum Jahreswechsel

Reflexion zum Jahreswechsel
Reflexion zum Jahreswechsel

Reflexion zum Jahreswechsel gehört bei vielen Menschen genauso zum Jahresende wie die Weihnachtsgans oder die Silvesterparty. Warum ist das so? Wieso ist das so eine besonders gute Zeit dafür? Wie – oder mit welchen Fragen – kann dieser Prozess der Nachdenklichkeit in einen ebenso kraftvollen wie wirkungsvollen Prozess verwandelt werden?

Die Zeit zwischen den Jahren

Dieser Ausdruck – die „Zeit zwischen den Jahren“ – birgt bereits eine Erklärung in sich, warum wir diesen kurzen Zeitabschnitt als besonders empfinden. „Zwischen den Jahren“ bedeutet, dass diese Tage zwischen Weihnachten und Neujahr, oder auch bis zum 6. Januar, irgendwie weder zum alten Jahr noch zum neuen Jahr gehören. Sie sind etwas Eigenes. Stehen für sich. Trennen und verbinden zugleich beide Jahre. Bilden einen Übergang.

Der Zeitraum fällt zusammen mit den längsten Nächten und kürzesten Tagen im Jahr. Dazu – zumindest in unseren Breiten – Kälte, Stillstand in der Vegetation. Die meisten Menschen arbeiten nicht, wenn sie nicht müssen. Ganze Unternehmen stehen still. Die Häufung der Feiertage (Weihnachten, Neujahr, Dreikönigstag) trägt zusätzlich zur Verlangsamung alles geschäftigen Tuns bei. Wir verlangsamen das Leben, halten vielleicht sogar an. Ziehen uns zurück aus unserem üblichen Leben in die Familie oder ganz in uns selbst.

Es ist wie ein Abschnitt auf einer Achterbahn, wenn man mit viel Schwung auf die nächste Höhe zufährt, immer langsamer wird, der Schwung abnimmt bis man – auf dem Scheitelpunkt angekommen – fast zum Stillstand, zur Ruhe, kommt, bevor es dann wieder mit zunehmender Geschwindigkeit in den nächsten Teil geht.

Rauhnächte

Diese Übergangszeit hat Eingang in viele Traditionen gefunden. Manche bezeichnen diese Zeit als Rauhnächte. Damit werden im Allgemeinen die elf Tage und 12 Nächte zwischen Weihnachten und dem 6. Januar bezeichnet. Der Ursprung wird in der unterschiedlichen Länge von Mond- und Sonnenjahr vermutet. Das Mondjahr hat 354, das Sonnenjahr 365 Tage. Um das auszugleichen bzw. in Übereinstimmung zu bringen, sind diese 12 Nächte notwendig.

In viele Mythologien wird angenommen, dass diese Zeitspanne besonders ist, die Gesetze der Natur außer Kraft gesetzt seien und dadurch die Grenzen zu anderen Welten fallen oder der Zugang zu anderen Welten möglich sei.

Reflexionszeit

Die Zeit dazwischen, der Übergang, Verlangsamung des Lebens, Rauhnächte sind Erklärungsangebote genug, warum wir nachdenklich werden und dem „Alten“ noch nachhängen, erste Blicke auf das „Neue“ wagen. Dazwischen liegt das „Jetzt“. Im Jetzt – und nur im Jetzt – bekommen wir mit, was das alles mit uns macht. Welche Gefühle mit den Gedanken an die Vergangenheit und Zukunft verbunden sind. Wie es uns geht.

Es gibt einen Zeitpunkt, wo die meisten Menschen gleichzeitig in dem einen Moment, im Jetzt sind. Das sind die Sekunden vor dem Jahreswechsel. Der Countdown zum Neujahr. Da versuchen wir diesen Moment ganz bewusst zu erfassen und zu erleben.

Es muss allerdings nicht bei diesem einen Augenblick im Jetzt bleiben. Wir können versuchen, immer wieder aus unserem Gedankenstrom, der uns in die Vergangenheit oder die Zukunft führt, in die jetzige Gegenwart zurückzukehren. Auch um herauszufinden, was da gerade in uns lebendig ist. Was diese Vorstellung von Vergangenheit und Zukunft an dem Punkt, wie diese Vorstellungen zusammenfallen, im jetzigen Augenblick, in uns auslöst. Dort, an jenem Punkt, stehen wir. Dort leben wir. Nirgendwo anders.

Wenn wir in die Reflexion mit vielen denkbaren Fragestellungen gehen, dann sollte es uns immer sehr bewusst sein, dass wir alle Frage aus diesem einen Moment heraus stellen. Innere Antworten – keine Vermutungen oder gedanklichen Konstruktionen – finden wir nur aus dieser Perspektive heraus. Es ist ein Unterschied, ob ich mir zum Beispiel die Frage „Was war im vergangenen Jahr wichtig?“ nachdenklich, rückwärtsgewandt und mit den Gedanken in der Vergangenheit stelle. Oder ob ich diese Frage aus dem jetzigen Erleben heraus stelle.

Reflexion zum Jahreswechsel als Prozess

Es gibt viele Sammlungen, je fast schon Kataloge an möglichen Fragen für die Reflexion zum Jahreswechsel. Mehr oder weniger intelligente Fragen. Mehr oder weniger hilfreiche Fragen. Das ist individuell auch sehr verschieden. Die „richtigen“ Fragen sind das Eine. Der innere Zustand, aus dem heraus ich diese Fragen zulasse und mit mir sein lasse das Andere. Antworten sind zweitrangig. Mit den Fragen zu sein bringt uns in den Prozess. Ihnen Aufmerksamkeit schenken bringt Bewegung, nicht das Starren auf Antworten.

Eine gute Ausgangsbasis, um sich der Reflexion zuzuwenden, ist es, den Raum dafür zu schaffen. Sicher zu stellen, dass man im Jetzt ist. Das macht das Nachdenken zur Reflexion. Eine gute Möglichkeit dafür ist den Prozess mit Meditation zu beginnen oder zu begleiten. Das kann einfach so sein, dass man mit einer Meditationsrunde startet, um anzukommen und sich dann der oder den Fragen zuwendet.

Oder man wechselt immer wieder zwischen Meditation und Fragen. So dass man immer wieder den Prozess des unweigerlichen Denkens, in den man kommen wird, bewusst unterbricht und sich über die Meditation wieder in den Moment bringt.

Möglich ist es auch, mit einer Frage in die Meditation zu gehen. Eine Frage in die Meditation hinein nehmen. Das heißt keinesfalls, in der Meditation über die Frage nachdenken und Antworten suchen. Es heißt vielmehr mit der Frage sein. Sie im Moment nach Innen fallen zu lassen. Ohne eine Erwartung von Antwort oder Lösung. Nur die Frage mit sich sein lassen und im Moment sein, wahrnehmen, was da ist.

Alle drei Varianten unterstützen den Reflexionsprozess.

Reflexionsfragen

Die Fragen an sich sind garnicht so wichtig. Sie sind Impulse. Geben einen Startpunkt für den Prozess. Der Prozess an sich – sein mit dem was ist – ist das Entscheidende.

Jeder hat die eine oder andere – vielleicht sogar das eine oder andere Bündel an Fragen. Als kleine Inspiration hier einige Fragen als Schlüssel für die Tür nach Innen:

Welches Ereignis, welches Erlebnis hat dich im jetzt auslaufenden Jahr besonders bereichert?

Welches war dein intensivstes Erlebnis?

Wer hat dazu beigetragen, dass es zu einem intensiven Erlebnis wurde?

Was erfüllt dich mit Freude?

Was hat dich besonders berührt, in welcher Form auch immer?

Was ist dir im Leben wertvoll, was wichtig?

Hast du im vergangenen Jahr dem, was dir wertvoll ist, die entsprechende Aufmerksamkeit oder Zeit gewidmet?

Wenn nein, wie kannst du das verändern?

Was stand dir im Weg, welchen Hindernissen bist du begegnet?

Wie bist du damit umgegangen? Was hast du dabei gelernt?

Welche Begegnung oder welcher Mensch, den du vielleicht neu kennengelernt hast, ist eine Bereicherung in deinem Leben?

Welcher Mensch hat dich am meisten unterstützt?

Welcher Abschied ist dir schwergefallen?

Was hast du dazugelernt, welche Fähigkeiten und welches Wissen erworben, das du vor einem Jahr noch nicht hattest?

Welche neue Idee, welcher neuer Gedanken war der überraschendste und wirkt noch jetzt?

Vieles blieb ungetan oder kam zu kurz. Wenn du nur eine einzige Sache umsetzten könntest, welche wäre das?

Wie geht es dir jetzt wirklich? In diesem Moment?

Viele intensive Erfahrungen bei der Reflexion zum Jahreswechsel! Lasst es zu.

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